Zustandsbewertung eines Bogens
Es gibt quasi kein gängiges Bewertungsschema für gebrauchte Bögen.
Vielleicht ist das auch gar nicht sinnvoll, solange es auch keine Preislisten
für alte Bögen gibt, wie es sie z.B. für Schallplatten, Comics etc. gibt.
Wozu also eine Bewertung?
Wir glauben, dass dies für Bogenschützen und Sammler eine gute
Orientierungshilfe sein kann. Als Schützen und Sammler fiel es uns nicht
leicht, eine sinnvolle Bewertungsskala zu finden.
Die vorliegende Skala basiert auf einer US-Bewertung, welche auch eher
für Sammler bestimmt ist.
Ein Schütze sieht die ganze Sache vielleicht anders!
Über sinnvolle Kritik oder Anmerkungen freuen wir uns immer.
Kategorien
Wir haben versucht, ein einfaches System zu finden, welches dennoch den
Zustand eines Bogen genau beschreiben kann.
Folgende Kategorien(alt) gibt es: NEUE KATEGORIEN !!!
1= "Goldschatz" (tadellos) 10-9,5
2= "Prachtstück" (ausgezeichnet) 9,5-8,5
3= "Beauty" (sehr gut) 8,5-7,5
4= "Best friend" (gut) 7,7-6,6
5= "Shooter" (brauchbar) 6,5-5
6= "Reserve" (akzeptabel) 5-4
7= "Wandschmuck" (schlecht) 4-3
8= "Brennholz" (sehr schlecht) 2-1
Direkt nach unten, zur näheren Beschreibung der Bewertungskategorien.
Faktoren zur Bewertung
Faktoren sind Merkmale, die den Zustand eines Bogens beeinflußen.
Es folgt die Liste aller Faktoren, welche für unsere Bewertungsskala
wichtig sind - ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
- Verdrehte Wurfarme
Ursache kann Hitze, Feuchtigkeit, minderwertige Verarbeitung sein.
Meistens ist jedoch ein unsachgemäßes Aufspannen des Bogens die Fehlerquelle.
Ohne Spannleine ist das Verdrehen eines Wurfarmes nicht auszuschließen.
Dieser Fehler kann im ungespannten, aber auch erst im gespannten Zustand
sichtbar werden.
Eine leichte Verdrehung kann der Schütze ausgleichen und ist nicht wirklich problematisch. Oftmals kann man sie kaum erkennen.
Eine starke Verdrehung verändert jedoch das Schußverhalten erheblich und
ist zudem eine Gefährdung der eigenen Sicherheit!
- Bohrlöcher
Es gab damals keinen Standard für Bohrungen.
Besonders bis in die 70er Jahre mußten Schützen für Zubehör wie Visier,
Bogenköcher, Stabi etc. die notwendigen Bohrungen selber machen.
Dies wurde mit mehr oder auch weniger Geschick ausgeführt.
In der Bewertung schlagen sich die Bohrungen immer nieder, wobei auch
ein sauber gefülltes Loch noch ein Loch ist.
Dies sind aber nur optische Abzüge.
Die Performance des Bogen wird durch Bohrungen nicht beeinträchtigt.
- Lackschäden und Kratzer
Bögen wurden zum Schießen und nicht zum Sammeln gebaut (mit ein paar Ausnahmen!).
Es ist also ganz normal, dass Gebrauchsspuren vorhanden sind.
Dies kann eine kleine Lackabplatzung am Mittelstück sein oder einige lange
Kratzer an den Wurfarmen.
- Oberflächliche Kratzer/Schlieren
Es handelt sich hierbei nicht wirklich um Kratzer, sondern um oberflächliche
Schleifspuren, die sich wegpolieren lassen.
Der Lack ist dabei noch vollkommen unbeschädigt.
Durch zu intensives Polieren kann aber die Lackschicht weg poliert werden.
Die Folge ist eine matte Stelle.
- Stressmarks
Diese Haarlinien kommen oft bei Bögen aus den 50-60er Jahren vor.
Sie verlaufen meist längst der Wurfarme am Ansatz zum Mittelstück oder quer
an den Fadeouts (Wurfarmansatz) oder den Recurves.
Bei einem hellen Glaslaminat sind sie deutlich als dunkele Linien zu erkennen.
Bei dunkelem Glas fallen sie oft gar nicht auf.
Auch dieser Makel beeinträchtigt nicht die Performance des Bogens.
Stressmarks werden oft mit Risse verwechselt!
- Risse
Dies sind tiefe Furchen, die durch das Glaslaminat bis in das Holz reichen.
Sie können die Stabilität eines Bogens ernsthaft gefährden.
- Sprünge
Ein Bogen mit einem Sprung ist unbrauchbar.
Er ist die Steigerung eines Risses und kann sich sogar unbemerkt am Mittelstück bilden.
Das sind dann die Bögen, die plötzlich brechen - ohne jede Vorankündigung!
Bei Bear-Bögen kommt dies aber selten vor. Wir haben diesen Fall noch nicht erlebt.
- Spaltungen
Die Ablösung/Delamination des Glases vom Holz ist zwar in kleinem Ausmaß
reparierbar, ist aber immer ein gravierender Mangel.
Am Mittelstück auftretend ist der Bogen evtl. noch schießbar.
Spaltungen an den Wurfarmen machen den Bogen jedoch zum "Wandschmuck".
- Kennzeichnungen beschädigt
Frühe oder einfache Bögen wurden mit Aufklebern gekennzeichnet.
Sie können leicht beschädigt werden, verloren gehen oder umgeklebt werden.
Besser war der Druck auf den Bogen mit Klarlacküberzug.
Beschädigte oder entfernte Kennzeichnungen führen zu einer schlechteren Bewertung.
- Vergilbungen/Flecken und Co.
Fabrikneu ist der Klarlack immer hell und klar.
Im Laufe der Jahrzehnte kann der Lack vergilben. Der Grad der Vergildung
ist meisten von der Menge an UV-Strahlung abhängig, welcher der Bogen ausgesetzt wurde.
Für Flecken im Glaslaminat gilt das gleiche.
Dies sind ebenfals nur optische Fehler.
Ein "Goldstück" sollte sie aber nicht aufweisen!
Hin und wieder tauchen Bögen mit merkwürdigen Flecken unter dem Klarlack auf dem Glas auf.
Es sieht so aus, als ob es Fingerspuren wären. Wir haben einige Zeit vor einem Rätsel gestanden, bis wir auf einem alten Bear-Video gesehen haben, wie die Bögen damals mit
Klarlack versehen wurden! Die Lösung ist banal einfach: Der Lackierer hat keine Handschuhe
getragen! Die Fingerspuren sind schlicht weg auf den unter dem Klarlack am Glas haftenden
Schweiß oder was auch immer zurückzuführen, der im Laufe der Zeit durch chemische
Reaktion zu einer Bleichung des Glases führt! Wow - haben wir gestaunt!
- Restaurierungen
Wir restaurieren unsere Bögen nicht.
Falls wir einen bereits restaurierten Bogen bekommen gilt, dass solche Bögen
niemals in die erste Kategorie kommen können.
Ansonsten bewerten wir die Qualität der Arbeit.
- Montiertes Zubehör
Dies kann ein Visier, Bogenköcher, Klicker, Bogenschlinge usw. sein.
Aufgeklebtes Zubehör läßt sich meist mit etwas Mühe rückstandslos entfernen.
Manchmal wir jedoch der Lack beschädigt.
Andere Teile benötigen Bohrungen (s.oben).
Hierbei kann man überlegen, ob das Zubehör nicht am Bogen bleiben sollte.
Dem Alter des Bogens entsprechendes Zubehör kann sogar den Wert steigern.
Dies ist jedoch Geschmacksache.
Einfluß der Faktoren auf den Zustand des Bogens
Es ist schwierig und immer subjektiv, anhand der obigen Faktoren den Zustand
eines Bogen zu bewerten.
Einige Faktoren verstärken sich zu einem schlechteren Ergebnis, als wenn nur ein
Faktor zutrifft.
Auf jeden Fall sollte der Zustand aber unabhängig vom Alter sein.
Sätze wie "ausgezeichneter Zustand für sein Alter" sind zwar richtig, aber nicht objektiv.
Ein Grizzly von 1969 wird genauso bewertet wie ein Grizzly von 1999!
Bewertungskategorien Neu (alt)
10-9,5 (1)=Tadellos "Goldschatz"
Tadellos ist wirklich tadellos, als ob der Bogen fabrikneu ist.
Sollte er auch nur einen kleinen Mangel wie eine Vergilbung aufweisen, so würden
wir ihn in Kategorien 2 einordnen mit dem Vermerk "tadellos bis auf eine Vergilbung".
Übrigens ist längst nicht jeder fabrikneue Bogen heutzutage "tadellos"!
Und - ja, es gibt noch die 40 Jahre alten "Goldschätze".
Wir haben in unserem Privatbesitz ein oder zwei davon!
9,5-8,5 (2)=Ausgezeichnet "Prachtstück"
Die meisten Bögen, die "Tadellos" knapp verpassen, landen in dieser Kategorie.
Meist haben sie nur einen Fehler wie: eine kleine Delle, 1 Kratzer, etwas Stress
oder kleine Lackschäden. Die Kennzeichnungen sollten jedoch intakt sein.
8,5-7,5 (3)=Sehr gut "Beauty"
In diese Kategorie fallen Bögen, wenn sie mehrere leichte Faktoren oder einen
stärkeren Mangel haben.
Dazu zählen: mehrere Kratzer/Beulen/Stressmarks, deutliche Vergilbungen/Verfärbungen, beschädigte Kennzeichnung.
7,5-6,5 (4)=Gut "Best friend"
Bögen dieser Kategorie haben mehrere optische Mängel oder stärkere Faktoren
wie z.B.: leicht verdrehte Wurfarme, größere Lackschäden, starke Kratzer, Bohrungen.
6,5-5 (5)=Brauchbar "Shooter"
Optisch sind diese Bögen weit entfernt von "Ausgezeichnet".
Zum Schießen sind sie aber noch gut geeignet.
Sie zeigen deutliche Gebrauchsspuren, wie zerkratzter Klarlack, Lackabplatzungen,
Bohrungen, deutliche Stressmarks. Umlackierte Bögen gehören auch hierher.
5-4 (6)=Akzeptabel "Reserve"
Optisch grauenhaft, zum Schießen aber noch brauchbar - eben so etwas wie
das Reserverad beim Auto.
Was optisch grauenhaft ist, mag sich ein jeder selbst ausmalen!
4-3 (7)=Schlecht "Wandschmuck"
Hierbei haben die Bögen Sicherheitsmängel, die deutlich sichtbar sind.
Man sollte sich genau überlegen, ob man sie schießt oder doch besser an die
Wand hängt.
Solch ein Bogen kann aber optisch durchaus "Ausgezeichnet" sein.
2-1 (8)=Sehr schlecht "Brennholz"
Definitiv nicht schießbare Bögen! (gebrochene Wurfarme/Mittelteil etc.)
Es gibt allerdings Sammler, die solche Bögen kaufen, um ihre Sammlung zu komplettieren.